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PKW-Computer wird zur Sicherheitslücke

IT-Ziviltechniker warnen vor Missbräuchen durch das Internet und fordern das „Pickerl“ für den Auto-Computer; Vollbremsungen während der Fahrt möglich!

Jeder neue PKW ist potenziell gefährdet
Bequemlichkeiten, wie das eingebaute Navigationssystem und Telefonieren im Auto, könnten bald zu Gefahrenquellen werden. Der private PKW wird zunehmend zur möglichen Sicherheitslücke. In Österreich gibt es derzeit mehr als 300.000 Neuzulassungen pro Jahr. In jedem neuen PKW wird seit geraumer Zeit ein Computer eingebaut, der theoretisch die Steuerung übernehmen kann bzw. alle Daten vom Fahrzeug an eine Zentrale senden kann. Durch neue Schnittstellen, wie GSM oder Funk, wird das Hacken des Board-Computers vereinfacht. So könnte beispielsweise eine Vollbremsung während der Fahrt eingeleitet werden, und selbst eine Remote-Überwachung, also eine Kontrolle des Fahrzeuges via Fernsteuerung, ist je nach Modell denkbar.


Missbrauch auf Bestellung im „Dark Net“?
Mit dem Fortschritt der Auto-Technik hat sich aber auch gleichzeitig im Internet ein neuer Schwarzmarkt gebildet, das sogenannte „Dark Net“. Dort werden organisierte Betrugsfälle und Datendiebstahl feilgeboten. Das würde im schlimmsten Falle dazu führen, dass jede Person mit Internetzugang das betrügerische Eingreifen in die EDV des Auto-Computers käuflich erwerben kann.

IT-ZT wollen Bewusstsein schaffen und fordern das „Pickerl“ für den Auto-Computer.
„Wir wünschen uns mehr Bewusstsein für solcherlei Bedrohungen. Die Sicherheit steht für uns an erster Stelle. Die Überprüfung der digitalen Sicherheit jedes Autos muss ebenso zur Routine werden wie die Überprüfung der Mechanik“, warnt Thomas Hrdinka, Vorsitzender der Bundesfachgruppe IT der Ziviltechniker Österreichs.
„Ohne die Festlegung entsprechender Sicherheitsstandards kann mit jedem Neuwagen Schindluder betrieben werden. Jeder private Haushalt sucht schließlich auch Sicherheitslösungen für seinen PC, wie Firewalls und Virenscanner – dies sollte auch für den PKW-PC gelten.“, warnt Peter Mandl, IT-Ziviltechniker.
 

Werkstätten fehlt es oft an Know-How
In Autowerkstätten wird das Augenmerk zum größten Teil auf die Mechanik des Autos gelegt bzw. erst dann die EDV begutachtet, wenn es zu Problemen kommt. Hier sehen die IT-Ziviltechniker aber genau das Manko: „Wenn der Auto-Computer gehackt wurde, ist es schon zu spät. Wir wollen Bewusstsein für die richtige Vorsorge schaffen“, erklärt Hrdinka des Weiteren. „Mechanikern ist es auch nicht zuzumuten, den gesamten IT-Gefahrenbereich zu kennen und zu untersuchen“, weiß Hrdinka.

Auch Autofahrer-Clubs sollten hier in die Verantwortung genommen werden
Hier ist Arbeit von Profis gefragt. Die IT-Ziviltechniker empfehlen daher, den Auto-Computer in regelmäßigen Abständen auf seine Angreifbarkeit überprüfen zu lassen. Autofahrerclubs sollten ebenso Bewusstsein unter ihren Mitgliedern schüren und eine Überprüfung anbieten. So kann zumindest auf freiwilliger Basis die Vorsorge getroffen werden.
 

Interviewpartner:
DI Thomas Hrdinka
Vorsitzender der Bundesfachgruppe Informationstechnologie der Bundeskammer der Architekten und Ingenieurkonsulenten

Dr. Peter Mandl
Ingenieurkonsulent für IT

 

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